In Großbritannien wurde die REIMAGINE-Studie veröffentlicht, die erstmals Magnetresonanztomographie (MRT) Scans in Kombination mit prostataspezifischem Antigen (PSA) zur Bewertung weiterer Testbedürfnisse verwendet. Die Untersuchung zeigte, dass von den 29 Teilnehmern mit schwerem Prostatakrebs, 15 eine “niedrige” PSA-Wertung hatten, die unter dem aktuellen System nicht zu weiteren Untersuchungen geführt hätte. Bisherige Studien hatten einen PSA-Wert von 3 ng/ml oder höher als Benchmark für zusätzliche Tests verwendet. Dieser Ansatz war jedoch mit Überdiagnosen und Überbehandlungen von Krebs mit geringerem Risiko verbunden. Der Einsatz von MRT als Screening-Werkzeug hat bereits den Bedarf an unnötigen Biopsien reduziert. Die Kombination von MRT und PSA-Tests als Screening-Ansatz könnte möglicherweise die Sterblichkeit und Überbehandlung von Prostatakrebs reduzieren. Die Studie ergab auch, dass schwarze Männer deutlich seltener auf Einladungen zur Untersuchung reagieren als weiße Männer, was auf die Notwendigkeit hinweist, diese Disparität anzugehen. Der nächste Schritt in Richtung eines nationalen Prostatakrebs-Screening-Programms ist der laufende LIMIT-Versuch, der mehr Teilnehmer gewinnen und Fragen der Inklusivität adressieren soll. Bei Erfolg würde eine landesweite Studie durchgeführt, bevor das Screening auf Prostatakrebs zur Standardpraxis wird.

Einführung

Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern weltweit. Herkömmliche Vorsorgeuntersuchungen wie der prostataspezifische Antigen (PSA) Test haben jedoch ihre Grenzen in der genauen Erkennung aggressiver Krebserkrankungen und führen häufig zu Überdiagnosen und Überbehandlungen. Die REIMAGINE-Studie, kürzlich in der Fachzeitschrift BMJ Oncology veröffentlicht, untersucht den Einsatz von MRT-Scans in Kombination mit der PSA-Dichte als effektivere Methode zur Bewertung des weiteren Untersuchungsbedarfs im britischen National Health Service (NHS).

Aktuelle Herausforderungen bei der Prostatakrebsvorsorge

Die aktuelle Prostatakrebsvorsorge stützt sich stark auf den PSA-Test, der den PSA-Spiegel im Blut misst. Allerdings können PSA-Werte allein aggressiven und träge verlaufenden Krebs nicht zuverlässig unterscheiden. Dies hat zu Überdiagnosen und Überbehandlungen von geringerem Risiko geführt und den Patienten unnötigen Schaden zugefügt.

PSA-Grenzwert und Überdiagnose

In früheren Untersuchungen wurde ein PSA-Grenzwert von 3ng/ml oder höher verwendet, um eine weitere Untersuchung wie eine Prostatabiopsie zu empfehlen. Studien haben jedoch gezeigt, dass dieser Grenzwert nicht optimal ist und zu Überdiagnosen führen kann. Viele Männer mit PSA-Werten unter 3ng/ml haben dennoch einen aggressiven Krebs, während andere mit Werten über 3ng/ml einen träge verlaufenden Krebs haben können.

Die Rolle der MRT in der Prostatakrebsvorsorge

Die Magnetresonanztomographie (MRT) hat sich als vielversprechendes Werkzeug in der Prostatakrebsvorsorge etabliert. MRT-Scans können detaillierte Bilder der Prostata liefern und verdächtige Bereiche aufzeigen, die auf das Vorhandensein von Krebs hinweisen können. Durch die Einbeziehung von MRT in den Vorsorgeprozess können Hochrisiko-Krebserkrankungen genauer identifiziert und unnötige Biopsien reduziert werden.

MRT und PSA-Spezifische Antigen-Dichte

Die REIMAGINE-Studie ist die erste, die eine Kombination von MRT-Scans und PSA-Dichte zur Bewertung des weiteren Untersuchungsbedarfs einsetzt. Die PSA-Dichte wird berechnet, indem man den PSA-Spiegel durch das Prostatavolumen teilt, und liefert eine genauere Messung der PSA-Konzentration pro Einheit Prostatagewebe. Diese Methode kann Männer mit niedrigen PSA-Werten, aber hoher PSA-Dichte identifizieren, was auf ein höheres Risiko für aggressiven Krebs hinweisen kann.

Ergebnisse der REIMAGINE-Studie

Die REIMAGINE-Studie untersuchte die Wirksamkeit der kombinierten Anwendung von MRT-Scans und PSA-Dichte zur Früherkennung von Prostatakrebs im NHS. An der Studie nahmen 29 Teilnehmer mit bestätigtem schwerem Prostatakrebs teil.

Identifizierung von Hochrisiko-Krebsen

Die Studie ergab, dass 15 der 29 Teilnehmer mit schwerem Prostatakrebs einen “niedrigen” PSA-Wert hatten, der nach dem aktuellen System nicht zu weiteren Untersuchungen geführt hätte. Durch die Kombination von MRT-Scans und PSA-Dichte wurden diese Personen jedoch korrekt als ein höheres Risiko für aggressiven Krebs identifiziert. Dies verdeutlicht das Potenzial von MRT-Scans und PSA-Dichte bei der Erkennung von Hochrisiko-Krebsen, die mit dem herkömmlichen PSA-Grenzwert möglicherweise übersehen worden wären.

Reduzierung der Notwendigkeit von unnötigen Biopsien

Einer der wesentlichen Vorteile der Einbeziehung von MRT-Scans in den Vorsorgeprozess ist die Reduzierung unnötiger Biopsien. Die Studie zeigte, dass durch den Einsatz von MRT-Scans zur Identifizierung verdächtiger Bereiche bei Personen mit niedrigen PSA-Werten, aber hoher PSA-Dichte, unnötige Biopsien vermieden werden konnten. Dadurch werden nicht nur die Beschwerden für die Patienten reduziert, sondern auch das Problem der Überdiagnose und Überbehandlung angegangen.

Potentielle Auswirkungen auf die Prostatakrebsmortalität und Überbehandlung

Die Kombination von MRT-Scans und PSA-Tests als Vorsorgeansatz hat das Potenzial, die Prostatakrebsmortalität und die Überbehandlungsrate signifikant zu beeinflussen.

Verbesserung der Erkennung von aggressiven Krebsen

Die genauere Identifikation von Hochrisiko-Krebsen mit Hilfe von MRT-Scans kann sicherstellen, dass Männer mit aggressivem Prostatakrebs rechtzeitig behandelt werden. Dies könnte zu einer Verringerung der Prostatakrebsmortalität führen, da aggressive Krebserkrankungen in einem früheren Stadium erkannt und behandelt werden.

Reduktion der Überbehandlung von geringerem Risiko

Die Verwendung von MRT-Scans zur Unterscheidung zwischen aggressiven und träge verlaufenden Krebsen kann die Überbehandlung von geringerem Risiko reduzieren. Durch die Vermeidung unnötiger Biopsien und Behandlungen für träge verlaufende Krebserkrankungen werden Patienten vor möglichen Nebenwirkungen und Komplikationen aggressiver Behandlungen geschützt.

Ungleichheiten bei der Vorsorge ansprechen

Die REIMAGINE-Studie hat auch Ungleichheiten bei der Beteiligung an der Prostatakrebsvorsorge zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgedeckt.

Niedrigere Teilnahmeraten bei schwarzen Männern

Die Studie ergab, dass schwarze Männer deutlich seltener auf Einladungen zur Vorsorgeuntersuchung reagierten als weiße Männer. Diese Ungleichheit wirft Bedenken hinsichtlich des Zugangs zu Gesundheitsdienstleistungen und der Notwendigkeit auf, Barrieren zu beseitigen, die bestimmte Gruppen daran hindern, an der Krebsvorsorge teilzunehmen.

Die nächsten Schritte: Das LIMIT-Trial und das nationale Vorsorgeprogramm

Das laufende LIMIT-Trial stellt den nächsten Schritt auf dem Weg zu einem nationalen Prostatakrebsvorsorgeprogramm in Großbritannien dar.

Ziele des LIMIT-Trials

Das LIMIT-Trial zielt darauf ab, mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen und Fragen der Inklusivität bei der Prostatakrebsvorsorge anzugehen. Durch die Erweiterung der Studienpopulation und die Gewährleistung einer vielfältigen Vertretung soll der Trial umfangreichere Daten zur Wirksamkeit und Machbarkeit von MRT-Scans und PSA-Dichte als Vorsorgeansatz liefern.

Schritte hin zu einem nationalen Vorsorgeprogramm

Wenn das LIMIT-Trial erfolgreich ist, werden weitere Forschungs- und Bewertungsmaßnahmen ergriffen, um die Durchführbarkeit der Implementierung der Prostatakrebsvorsorge mittels MRT-Scans und PSA-Dichte landesweit als Standardverfahren zu prüfen. Hierfür wären die Entwicklung von Protokollen, Richtlinien und Infrastrukturen erforderlich, um ein groß angelegtes Vorsorgeprogramm zu unterstützen.

Schlussfolgerung

Die REIMAGINE-Studie zeigt das Potenzial von MRT-Scans und PSA-Dichte zur Verbesserung der Prostatakrebsvorsorge und zur Verringerung der Schäden durch Überdiagnosen und Überbehandlungen auf. Die Ergebnisse unterstützen den Bedarf an einem präziseren und personalisierten Ansatz in der Prostatakrebsvorsorge. Das laufende LIMIT-Trial wird wertvolle Einblicke in die Machbarkeit eines nationalen Prostatakrebsvorsorgeprogramms mit MRT-Scans und PSA-Dichte liefern und den Weg für eine verbesserte Erkennung und Behandlung dieser verbreiteten Krebserkrankung ebnen.

Quelle

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