Eine kürzlich veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunfunktion gibt. Die Forscher des Monell Chemical Sense Center haben untersucht, wie sich Entzündungen auf die Genregulierung von Bittergeschmacksrezeptoren auswirken.

Dazu haben sie Mäuse mit Lipopolysaccharid (LPS) behandelt, um eine Entzündung zu simulieren. Die Mäuse zeigten eine erhöhte Abneigung gegenüber bitterem Geschmack, was darauf hindeutet, dass diese Abneigung in den Geschmacksknospen selbst entsteht. Dieser Mechanismus könnte eine Rolle bei der Veränderung der Geschmackswahrnehmung während einer Entzündung spielen.

Die Studie zeigte auch, dass es einen Zusammenhang zwischen Krankheitsbedingtem Appetitverlust und der reduzierten Vorliebe für süßen Geschmack gibt. Mäuse, wie auch Menschen, haben während einer Krankheit weniger Appetit auf süße Leckereien und das erzwingen des Verzehrs von Zucker kann den Zustand verschlechtern. Dieses Verhalten könnte eine biologische oder evolutionäre Grundlage haben und als Schutzmechanismus dienen.

Des Weiteren fand die Studie heraus, dass LPS-induzierte Entzündungen die Genexpression in Geschmacksstammzellen global beeinflussen und langanhaltende Auswirkungen auf die Geschmackswahrnehmung haben können. Diese Erkenntnisse können dazu führen, dass bittere Geschmacksblocker für Medikamente und andere Produkte entwickelt werden, wobei Faktoren wie die Anwendung nach oder während einer Krankheit berücksichtigt werden sollten.

Insgesamt trägt diese Studie zu unserem Verständnis der Beziehung zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunfunktion bei und bietet mögliche klinische Anwendungen.

Einführung

Eine kürzlich in iScience veröffentlichte Studie von Dr. Hong Wang und Kollegen des Monell Chemical Senses Center untersucht die Verbindung zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunfunktion. Die Forscher versuchten, die Mechanismen, die der Wechselwirkung zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunfunktion zugrunde liegen, zu verstehen, indem sie die Auswirkungen der Induktion von Entzündungen auf die Regulation der bitteren Geschmacksrezeptoren untersuchten.

Die Auswirkungen von Entzündungen auf die Geschmackswahrnehmung

Die Induktion von Entzündungen bei Mäusen mittels Lipopolysaccharid (LPS) lieferte Einblicke in den Zusammenhang zwischen Entzündungen und Geschmackswahrnehmung. Die Studie ergab, dass die Mäuse eine erhöhte Abneigung gegenüber bitterem Geschmack zeigten, was darauf hinweist, dass die Verzerrung der bitteren Geschmackswahrnehmung während einer Entzündung in den Geschmacksknospen und nicht im Gehirn entsteht. Dieser Befund unterstreicht die Rolle der Geschmackszellengene bei der Veränderung der Geschmackswahrnehmung während einer Entzündung.

Geschmackszellengene und Verzerrung des bitteren Geschmacks

Die Forscher verwendeten verschiedene Methoden, um die genetischen Mechanismen, die der Reaktion auf bitteren Geschmack zugrunde liegen, zu erforschen. Die meisten Tas2r-Rezeptorgene für Geschmack zeigten während der Krankheitsphase eine erhöhte Reaktion, wobei der Gipfel der Genexpression drei bis fünf Tage nach Beginn der Erkrankung erreicht wurde. Einzelzell-Sequenzierungsanalysen zeigten, dass LPS die Zugänglichkeit zahlreicher Tas2r-Gene erhöhte, was darauf hinweist, dass epigenetische Mechanismen zur Verzerrung der bitteren Geschmackswahrnehmung durch Entzündungen beitragen.

Langanhaltende Auswirkungen auf Geschmacksreaktionen

Die Studie ergab auch, dass LPS-induzierte Entzündungen einen globalen Einfluss auf die Genexpression in Geschmacksstammzellen hatten, was möglicherweise langanhaltende Auswirkungen auf Geschmacksreaktionen zur Folge haben kann. Diese Erkenntnis erklärt, warum bestimmte chronische Krankheiten und Krebsbehandlungen einen anhaltenden bitteren Geschmack im Mund verursachen oder die Wahrnehmung bestimmter Lebensmittel verändern können.

Der Zusammenhang zwischen Krankheit und reduzierter Vorliebe für süßen Geschmack

Die Studie zeigte einen Zusammenhang zwischen krankheitsbedingtem Appetitverlust und verminderter Vorliebe für süßen Geschmack. Sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen ist die Motivation, süße Leckereien zu konsumieren, während einer Krankheit geringer, und ein erzwungener Konsum von Zucker kann ihren Zustand verschlimmern. Dieses Verhalten kann eine biologische oder evolutionäre Grundlage haben und als Schutzmechanismus dienen.

Auswirkungen und Anwendungen

Die unterschiedlichen Reaktionen, die bei Geschmacksrezeptoren beobachtet wurden, haben Auswirkungen auf die Entwicklung von Bitterblockern für Medikamente und andere verzehrbare Gesundheitsprodukte. Die Forscher empfehlen, Faktoren wie den Zeitpunkt der Anwendung des Blockers (nach oder während einer Krankheit) und die spezifischen Geschmacksrezeptorgene, die bei der Entwicklung gezielter Bitterblocker prominent exprimiert werden, zu berücksichtigen.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend trägt diese Studie dazu bei, unser Verständnis für die Beziehung zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunfunktion zu erweitern. Die Forschung wirft Licht auf die Mechanismen, die bei der Interaktion zwischen Geschmackswahrnehmung und Immunreaktion eine Rolle spielen, und liefert wertvolle Erkenntnisse mit möglichen klinischen Implikationen.

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